"Wes Brot ich ess" - Süddeutsche Zeitung
Friday, October 6, 2017

"Paneum": In Asten bei Linz wurde das erste österreichische Brot-Museum eröffnet - entworfen vom Büro Coop Himmelb(l)au.

Schräg gegenüber, vor "Silo 2", hat man das industrielle Stahltor mit einer großen Blech-Breze verziert. Übrigens befindet man sich ja auch an der "Kornspitzstraße 1". Es ist also nicht weiter verwunderlich, wenn man an dieser Stelle das seltsame Gebilde, das soeben im oberösterreichischen Städtchen Asten nahe Linz als "Wunderkammer des Brotes" eröffnet wurde, in die assoziative Nähe von Backwaren aller Art rückt. Und wenn sich Wolf D. Prix noch so vehement dagegen wehrt.

Das erste österreichische Brotmuseum, es trägt den schönen Namen "Paneum" (vom lateinischen "pane" für Brot), ist der jüngste Bau des von Prix in Wien als - alle mal herhören - "Design Principal" geführten, international bekannten Architekturbüros Coop Himmelb(l)au. Und schon, um dem Himmelbau gerecht zu werden, betont Designfürst Prix: "Das Gebäude ist definitiv kein Brot. Es soll auch kein Teig sein.

Eher sieht es aus wie eine Wolke." Noch lieber sähe er es, wollte man in dem silbrig schimmernden, organisch anmutenden, tatsächlich aber holzkonstruktiv (spektakulärerweise stützenfrei!) überwölbten und von gut dreitausend Edelstahlschindeln ummantelten Gefäß auf dem im bewussten Gegensatz orthogonal organisierten Betonsockel "eine Art Arche Noah" sehen. Ein Wolkenschiff also. Unterwegs, um Wertvolles aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu transportieren und für die Zukunft zu bewahren.

Gerhard Matzig